Kategorie: Deutsch

  • Yulis Tagebuch, Haifa (1)

    Yulis Tagebuch, Haifa (1)

    Trauma

    Ich bin traumatisiert. Um meine eigene unprofessionelle Diagnose zu verifizieren habe ich noch einmal an der Webseite des „American Psychological Association“ nachgeschaut und dementsprechend darf ich bestimmen, ich bin traumatisiert. 

    Ich bin physisch nicht verletzt. Einfach und viel schlimmer psychisch erschüttert von einem Ereignis, dass im Grunde nach 70 Tagen noch nicht vorbei ist. Selbstverständlich kann ich mich an alle Geschehen und Gefühle auf einmal nicht erinnern, und deshalb ist es unmöglich eine Art vollständige, und mit literarischen Worten, eine Story zu illustrieren. Jedenfalls ist das keine Story für Café-Gespräche.

    Vielmehr wünsche ich mit einfachen Worten den Schmerz zu reflektieren und vielleicht irgendwann… (klingt mir schon unrealistisch) kann ich irgendwie es angemessen wahrnehmen. 

    „Krieg“ heißt es in einem Wort. Hingegen gibt es nicht genug Worte, um ihre Implikationen zu beschreiben. Leid, Horror ist ein Bestandteil davon.

    Gerade macht es mir Angst, die Augen zu schließen. Vor allem nachdem die Bilder und die Gedanken durch den Kopf abschweifen. All das passiert immer nur wenige Sekunden bevor ich einschlafe. Dann wird die Nacht zum Morgen, und der Morgen beginnt mit einem ermüdenden Gefühl des Abends, und es wiederholt holt sich wieder und wieder. Die Angst, die Kontrolle über das Leben zu verlieren, macht es schwer zu arbeiten, zu freuen, und einfach so, zu atmen. 

    Meine Geschichte ist also unvollständig. Es wird rückblickend über ein Ereignis geschrieben, das in vielerlei Hinsicht nicht vorbei ist. Von Zeit zu Zeit fallen mir beim Schreiben weitere Details ein. Ich schreibe vielleicht nicht in der bestimmten Ordnung der Sachen, aber das ist das Trauma. Es drückt sich in einer fragmentierten Erinnerung an ein Ereignis aus, das schwer einzudämmen ist, und von Zeit zu Zeit greift das Unterbewusstsein an und bringt Details zum Vorschein, die ich unterdrückt habe. 

    Der 7. Oktober ist mein Geburtstag. Er erscheint normalerweise während der jüdischen Feiertage. Manchmal in Kippur. In diesem Jahr fiel der 7. Oktober auf Samstag, Schabbat und Simchat Tora, und zwar einen Tag vor dem Ende ihrer (ungefähr) dreiwöchigen Feiertage. 

    6. Oktober

    Am Freitag in der Frühe fuhr ich zu meinen Eltern, die in Netanya wohnen. Von dort ging ich mit meinem 5jährigen Sohn ins Konzert von Mergui im Barbie Club in Tel Aviv. Er wartete schon lange darauf, zu diesem Konzert zu gehen, und es hat mir genauso gut gefallen. Nach dem Konzert fuhren wir nach Kfar Saba, wo meine Schwester lebt. Zufällig ist der Geburtstag meiner Schwester am 9. November. Ich lachte mal darüber mit meinen deutschen Freunden, dass die Daten unserer Geburtstage die Geschichte der DDR formen.

    Von Kfar Saba aus gingen wir gemeinsam mit ihrem Sohn in ein japanisches Restaurant. Wir haben einen Toast ausgebracht, über den üblichen Unsinn geredet und auch ein bisschen über Politik. Wir wählen beide das Mitte-Links-Lager und für uns ist die soziale und wirtschaftliche Lage im Land schlimmer als

    je zuvor. Meine Schwester fragte mich: „Was ich mir zum Geburtstag wünsche?“ Ich antwortete ihr ehrlich: „Nichts.“ „Das beste Geschenk, das ich morgen bekommen werde, ist die Rückkehr zur Routine.“ Was mir aber fehlt ist der Mann den ich liebe. Aus vielen vernünftigen Gründen sind wir nicht zusammen, aber traurig bin ich trotzdem, und ich habe keine Lust darüber zu reden. 

    Um 21 Uhr kehrten wir mit zwei satten und müden Kindern nach Hause zurück. Wir übernachteten bei meinen Eltern. Es war doch Feiertag.

    Geburtstag

    Am Samstag, dem 7. Oktober wachte ich um 8 Uhr auf. Es ist war mein Geburtstag. „Glückwunsch Yuli! Ein Jahr älter. Hoffentlich bedeutet es für dich auch ein bisschen mehr Lebensweisheit.“

    Von hier an aber wird unser Leben nie wieder dasselbe sein. Es wird ein bewusstseinsverändernder Tag auf persönlicher, nationaler und Sicherheitsebene sein. Der Feiertag ist vorbei. 

    Etwas geblendet vom Licht des Telefondisplays las ich eine Push-Nachricht der Zeitung Haaretz, dass die israelische Regierung die Attacke als Kriegerklärung aufnimmt. Ich habe noch nicht ganz verstanden, worum es geht. Mein Vater ist wahrscheinlich in der Synagoge, wie an jeden Samstagmorgen.

    Draußen war alles so still. Keine Geräusche von (Krieg)-Flugzeugen. Es hat mich doch beruhigt. Ich stand auf und stellte den Fernseher an.

    In den Nachrichten 20 Ermordete in den Gaza-Envelope (Kibbuzim und Moschawim an der Grenze), aber die Geschehnisse waren mir noch nicht ganz klar. Für den Moderator anscheinend aber auch nicht. Trotzdem hatte ich schon das schlechte Gefühl, dass etwas ganz Schlimmes passiert. 

  • Yulis Tagebuch, Haifa (2)

    7. Oktober 2023

    Die Tochter meiner Schwester macht ihren Militärdienst an der Grenze zu Ägypten. Sie schreibt an die Familien WhatsApp-Gruppe: „Ich bin o.k., wir haben schon Westen bekommen.“

     „Westen?“ worüber redet sie? Es ist zu viel, um es so früh an einem Samstagmorgen aufzunehmen. Ich rief sie an, um die Nachrichten zu klären, aber sie ging nicht ans Handy…

    Als mein Sohn aufwachte, gab ich ihm das iPad – was nie passiert – und bat ihn, nicht im Wohnzimmer zu sitzen. Ich wollte nicht, dass er fernsieht.

    Mit jeder Minute sah das Bild noch katastrophaler aus. Die Zahl der Opfer ist über 100 gestiegen. Menschen aus den Kibbuzim riefen die Nachrichtenstudio an und baten um Hilfe. Eine schwangere Frau versteckte sich mit ihrer Tochter und bat den Reporter, jemanden zu schicken, der ihr hilft. Sie erzählte ihm, daß sie sich im Sicherheitszimmer versteckt und daß sie Schüsse hört und Rauch riecht. Sie hatte Angst.

    In der Zwischenzeit wurden ununterbrochen Raketen auf Israel abgefeuert. An einem Tag 300 Raketen auf unser Land.

    Ich stand auf, um die Tür abzuschließen, und ging mich anziehen. Das Tür- abschließen half aber den Familien in Süd-Israel nicht, die Terroristen haben die Türschlösser mit Bohrmaschinen zerstört und alle geschlachtet. Auch Babys. 

    Gleichzeitig kamen Meldungen von dem Nova Musik Festival in Re‘im. Ein paar Jungen, denen es gelang, den automatischen Waffen der Terroristen zu entkommen und sich auf den Feldern zu verstecken, kontaktierten das Studio. Sie schilderten kurz die chaotische Situation, forderten sie auf, ihnen zu helfen, dass es Dutzende Terroristen mit Maschinenpistolen gäbe, die jeden ermordeten und vergewaltigen. Und der Reporter hörte zu und saß hilflos im Studio. 

    Ich spürte, wie meine Muskeln, mein Kopf schmerzten und meine Atmung wurde schneller. Mein Vater kam von der Synagoge und saß vorm Fernseher. Keiner von uns hatte Appetit zum Frühstücken, und ein koscheres Shabbat wäre es auch nicht. Heute ist Krieg und der lehnt das Shabbat ab. 

    Ich hatte mir etwas Wein eingeschenkt. Es ist erst 11 Uhr morgens. Ich konnte nicht erfassen, was nur anderthalb Stunden von meinem Eltern entfernt passiert. Gestern bin ich auch ausgegangen, um Musik zu genießen.

    Nova Festival

    Ein paar Minuten später trafen Terroristen auf der Party ein und schlachteten, vergewaltigten und verbrannten Menschen bei lebendigem Leibe, junge Menschen, die gerade noch bunt und fröhlich tanzten und das Leben feierten. Auf Social-Media sowie über die Kibbuzim und Moschawim WhatsApp-Gruppe gingen auch ständig Meldungen und Rufe um Hilfe von Menschen ein. Viele von denen aber antworteten nicht mehr an die Gruppen zurück. Es wurde noch bekannt gegeben, dass die Terroristen Körperkameras trugen und die Gräueltaten aufzeichneten. Wer bei Telegram eintrat, konnte auch live miterleben, wie die Familien und Jugendlichen brutal ermordet wurden. Die Monster trennten mit Messern und Beilen Körperteile von Kindern und Eltern ab und während diese vor Schmerzen schrieen und bluteten, saßen sie nebenbei zum frühstücken. Wenn das Essen alle war verbrannten sie das Haus mit den Menschen oder sie erschossen die ganze Familie. Und noch ein Haus, und noch eins… usw. Ich wagte es doch nicht, in eines der Netzwerke einzudringen. Ich wusste, dass ich zumindest für meinen Sohn vernünftig bleiben musste. Also habe ich nur auf der großen Leinwand geschaut.

    Zur Mittagszeit fiel mir ein, dass ich meinen Sohn noch nichts zu essen gegeben hatte. Er war in das iPad vertieft und es störte ihn überhaupt nicht. Ich gab ihm zu essen und schaute gebannt wieder in den Fernseher. Das Ausmaß der Katastrophe wurde immer deutlicher, die Zahl der Ermordeten erreicht 400 und es besteht die Befürchtung, dass die Terroristen mit ihren Motorrädern zur Straße 4 aufbrechen, der gleichen Straße, über die sie nach Kfar Saba gelangen. Ich fange an zu überlegen, ob ich zu Hause irgendetwas habe, um uns zu schützen, und ich erinnere mich, dass ich nicht einmal Tränengas zur Selbstverteidigung gekauft habe. Die Terroristen eroberten Beeri und plünderten alles, was sie konnten. Sie erreichten aber mittlerweile u.a. die Städte Sderot, Ofakim und schossen auf Menschen auf den Straßen und in Häusern. Tausende Menschen sind verletzt. Tausende. „Wo ist die Armee? Wo ist die Polizei?“, fragen alle. Gleichfalls die Familien, die sich im Sicherheit Raum noch verstecken. Jeder für sich.

    Mittlerweile haben die Terroristen das Polizeistation in Sderot übernommen. Viele Polizisten sind dort getötet worden. 

    Ich denke mir, dass diese Lawine des Gemetzels nie ein Ende findet, ich selbst habe keinen Schutz. Jederzeit könnte auch mir etwas Schlimmes passieren. Langsam hatte ich das Gefühl, ich bekomme eine Panik Attacke.

    Nova Festival ist zum Massaker Festival geworden. Die Musik spielt nicht mehr dort und nirgendwo mehr. Die Verbrennung der Ermordeten, wie die Gruppen brutal vergewaltigter Mädchen, die Vergewaltigungen haben sie fortgesetzt, auch nachdem sie die Mädchen erschossen haben, können, vielleicht, erklären, was dieses ungeheuerliche monströse Übel bedeutet.

    Gerade kann ich wenig darüberschreiben. Aber es kommt noch langsam. 

    Als der TV-Moderator Mittag bei mehr Leuten zurück anrief, gingen sie auch nicht mehr ans Telefon. Weitere Berichte über getötete Soldaten in Kämpfen gegen die Terroristen, über entführte Kinder und Babys, über die toten Jungen im Festival. Die Informationen fließen.

    Um zwölf Uhr überbrachte Ministerpräsident Binyamin Netanjahu eine zuvor aufgezeichnete Botschaft, die ebenfalls bedeutungslos war, wie seine Besondere Ankündigung am Abend. 

    Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen und der Akku des iPads hatte Zeit, leer zu werden und sich wieder aufzuladen. Ich musste mein Kind zum Schlafen bringen und vielleicht etwas essen. Er sollte diese Nacht besser in meinem Bett schlafen. Ich überprüfe noch einmal, ob die Tür verschlossen ist. Ich habe Angst Auto zu fahren. Die Straßen sind leer von Autos oder Menschen. Ich entscheide, bei meinen Eltern zu bleiben. Mein Kopf schmerzt.

  • Yulis Tagebuch, Haifa (3)

    Erste Nacht und tausende Gedanken

    Mein Sohn ist schon längst eingeschlafen, aber ich kann es nicht. Der Gedanke, daß sich vielleicht israelische Araber, die unter uns leben, dazu entschließen werden, sich dem Massaker anzuschließen, stresst mich sehr und ich verfolge die Nachrichten am Handy. Solche Gedanken sind keine Phantasie, aber eine sehr traurige realistische Möglichkeit in Israel. Das ist schon passiert während der zweiten Intifada (2000-2005), und viel schlimmer im Jahr 2021 im Monat des Ramadans: Es kam an hunderten Orten im ganzen Land zu einer Reihe gewalttätiger Aktionen von israelischen Arabern. Hunderte wurden verletzt, Juden und Araber getötet. All das parallel neben massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen, danach kam es zu einer weiteren Operation „Wächter der Mauern“, um militärisches Arsenal der Hamas zu zerstören. In den gemischten Städten, wie in Jaffa, Haifa, Akko, Lod, in denen die Menschen unterschiedlicher Religionen in unmittelbarer Nachbarschaft leben, warfen arabische Einwohner Molotowcocktails auf Juden, wurden die Straßen blockiert und Juden gelyncht. Meine Freundin, die in Jaffa lebt, hatte Angst, das Haus zu verlassen. Ihr Kind besuchte in Jaffa damals eine zweisprachige Schule, Arabisch-Hebräisch. Solche Schulen streben danach, Menschen, Meinungen, Kulturen und Religionen zu verbinden, um damit Verständnis und Frieden zu bringen. Zur Schule ging das Kind aber nicht, da der Weg dorthin zu gefährlich wurde.

    Ich schaue auf mein Kind, das neben mir schläft, und denke mir, wie viel Güte, Kraft und Vernunft die Kinder in die entfremdete und böse Welt der Erwachsenen mitbringen.

    Ich entschuldige mich für das Abschweifen vom Thema, aber ich frage mich, wie die Europäer reagieren würden, wenn die Einwanderer, die nach Deutschland kommen, so gegen sie rebellieren würden. Wenn ihre arabischen Nachbarn ihnen Schaden zufügen wollten. Ich erinnere mich an die übertriebene und unverhältnismäßige Reaktion der Polizei in Berlin auf die Ereignisse vom 1. Mai gegen junge Linke. Ich war dort und es tat weh. Offenbar kann das Land sich noch nicht vorstellen, was in viel extremeren Situationen passiert, denn dann hätten sie vielleicht die Mittel zur Auflösung von Demonstrationen der Linken gemildert

    Nun stellen Sie sich das Gefühl einfach auf menschlicher Ebene vor;
    stellen Sie sich vor, daß Ihr Nachbar, dem Sie Zucker oder ein Glas Milch gebracht haben, Sie hinrichtet. Die Gedanken wandern zum Holocaust. Und trotzdem, weg über den Holocaust. Über diesen möchte ich gerade in diesem Kontext nicht reden, finde ich doch die gegenwärtigen Geschehnisse in einer Art und Weise etwas anders. Den Menschen in den Kibbuzim wurden im voraus die Chance genommen, den Feind mit gutem Herzen zu einem Freund zu machen. Sie haben die bösen Stimmen ignoriert. Die Politik, die Schwierigkeiten, und das Risiko es in nur 7 Sekunden zum Sicherheitsraum zu schaffen. Sie haben ihre Häuser in der Nähe der Grenze gebaut, weil sie an Frieden geglaubt haben. Somit öffneten sie Türen für die Menschen aus dem Gazastreifen. Und zwar am 7. Oktober war es für sie anders geplant. Die Terroristen kamen mit Karten und Namen, sie wussten schon wer wohnt wo, und wie viele Kindern sie haben. Denn einige von ihnen arbeiteten 30 Jahre lang in den Kibbuzim. Jahrelang aßen sie in den Häusern, in denen sie nun ihre Bewohner geschlachtet haben.

    Vielleicht werden noch mehr arabische Länder Israel angreifen. Im Moment laufen so viele schlechte Optionen in meinem Kopf. Und wir haben keinen Ausweg. Wir müssen mit allem klar kommen, was passiert. Bei Raketenbeschuss gehen wir einfach in den Bunker. Ich hoffe, wir schaffen es in anderthalb Minuten fünf Stockwerke hinunter. Ich denke mir schon. Verdammt, Ich muss es irgendwie schaffen!

    Ich muss wahrscheinlich eingeschlafen sein, denn es war schon Morgen, als die Angst wieder spürbar war. Vielleicht war es alles nur ein schlechter Traum? Ich habe den Fernseher eingeschaltet. Sie haben bereits von tausenden Verletzten, über 1000 Ermordeten, hunderten Entführten in den Gazastreifen und vielen Vermissten gesprochen. Obwohl die Armee die Siedlungen übernommen hat, wird das Bild allmählich klarer. Das schwarze, schreckliche Bild dessen, was passiert ist und immer noch weiter passiert.

  • HATIVKA

  • Freude, schöner Götterfunken…

    Aus: Festakt zum Ende der DDR und Vorabend der deutschen Wiedervereinigung im Schauspielhaus Berlin am 2. Oktober 1990. Unter der Leitung von Kurt Masur spielt das Gewandhausorchester Leipzig die „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven, Text von Friedrich von Schiller. Es singen als Vertreter beider Staaten Peter Schreier, (DDR) Tenor und Bernd Weikl, (BRD) Bariton. Neben dem Rundfunkchor Leipzig sind auch der Chor des Berliner Rundfunks, der Leipziger Kinderchor, der Chor der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale an der Aufführung beteiligt.

  • Hanukkha 1943 en el campo Westerbork, Holanda

    *Ceremonia de encendido de velas de Hanukkah en el campo de tránsito de Westerbork, Holanda, diciembre de 1943.  
    En el sombrío entorno del campo de tránsito de Westerbork, donde se encontraban prisioneros judíos antes de ser enviados a los campos de exterminio, tuvo lugar en 1943 la ceremonia de encendido de las velas de Hanukkah.
     En medio del sufrimiento y la oscuridad, los judíos en el campo encontraron la fuerza para encender velas y orar, como un poderoso gesto de fe, esperanza y memoria de la libertad.
      El encendido de las velas fue un acto de valentía y resistencia espiritual, que simbolizaba la determinación del pueblo judío de preservar su identidad y cultura, incluso en las circunstancias más crueles.
     ✨ Historias como estas nos enseñan sobre el poder de la tradición y la luz que logra mantenernos a salvo incluso en los momentos más oscuros.
     Fuente: Comunidades Plus
    https://whatsapp.com/channel/0029VaSiBVlADTOODozrD82e

  • Chanukka Dezember 1943 im Durchgangslager Westerbork, Niederlande

    Zeremonie zum Anzünden von Chanukka-Kerzen

     In der düsteren Umgebung des Durchgangslagers Westerbork, in dem jüdische Häftlinge festgehalten wurden, bevor sie in die Vernichtungslager geschickt wurden, fand 1943 die Zeremonie des Anzündens einer Chanukka-Kerze statt.

     Inmitten von Leid und Dunkelheit fanden die Juden im Lager die Kraft, Kerzen anzuzünden und zu beten, als kraftvolle Geste des Glaubens, der Hoffnung und der Erinnerung an die Freiheit.

     Das Anzünden der Kerzen war ein Akt des Mutes und des spirituellen Widerstands und symbolisierte die Entschlossenheit des jüdischen Volkes, seine Identität und Kultur auch unter den grausamsten Umständen zu bewahren.

    Geschichten wie diese lehren uns über die Kraft der Tradition und das Licht, das es schafft, uns auch in den dunkelsten Momenten zu schützen.

    Quelle: Communities Plus

  • Yulis Tagebuch, Folge 72

    Yizkor. Erinnern. 

    An diesem Samstag feierten wir Weihnachten und Chanukka. In einer gemischten Familie aus Christen, die konvertiert waren, oder Christen, die Juden geheiratet hatten, oder solchen, die halb Christen sind, leuchtete der mit den kleinen Glühbirnen geschmückte Baum oben und die Geschenke darunter, neben einer farbenfrohen und beleuchteten Hanukkah-Menora auf das Haus und hat uns allen das Herz erwärmt. 

    Haifa ist als gemischte Stadt bekannt, aber auch zu Hause gibt es ein ähnliches Gefühl. Wir sind alle eins und wir sind alle zusammen. Aber die Dinge, die wir durchmachen, machen es uns immer noch schwer, glücklich zu sein und die Stimmung (abgesehen von der Energie der Kinder, die niemals endet) war ziemlich ruhig.

    Als ich mit dem Blog begann, dachten meine Partner und ich, dass der Blog ein mehrmonatiges Projekt sein würde. Wir waren auch  optimistisch, dass die letzte Folge der Rückkehr aller Entführten zu widmen sein würde. Denn die Dinge passieren, weil es irgendwie sein muss. Infolge dessen die Folge des 7. Oktober in der Geschichte des Volkes Israel enden würde. Aus der Zerstörung zu einer Wiedererstehung.

    Und wie wünschenswert war es, dass das Lichterfest, das perfekt mit Weihnachten verbunden war, neue gute Nachrichten mit sich bringt und gute Dinge geschehen. 

    Bleibt halt ein Wunsch. 

    Im kommenden Januar werden die sechs Millionen Menschen, die wegen ihres Judentums ermordet wurden, Weltweit erinnern. 

     Ich  frage mich, welchen Wert der Internationale Holocaust-Tag in einer so gewalttätigen Realität gegen Juden hat.

    Gewalt, gegen ein Baby bis hin zu einem alten Mann, Gewalt die in den besten Universitäten der Welt, auf den Straßen Europas unter ihren Symbolen, die sie repräsentieren, Gewalt in den Konzertsälen von Klassik bis Rockmusik und in der Kunst ihre Legitimität erhält. Mit der Zeit wurde der Internationale Holocaust-Tag zu einem Mahnmal ohne Inhalt. Es lehrt nicht und erinnert niemanden an etwas anderes als an die Vernichtung der Juden.

    Dieser Blog endet  und leider, für alle Menschenliebhaber, wo auch immer sie sind, bleiben die Fragen offen. 

    Und deshalb möchte ich das Kapitel einigen von denen widmen, die an diesem Feiertag der Lichter noch im Dunkeln leben. Für diejenigen, die zurückgekehrt sind und noch da sind, und für diejenigen, die noch da sind und nicht zurückkehren werden. Ich kann die Tausenden Verwundeten, Vermissten und Toten nicht erwähnen. Aber nur ein wenig, um zu veranschaulichen, was uns als Volk immer noch das Licht verbirgt.

    Nave Biton, ist 6,5 Jahre alt. Seine Mutter, Stav, wurde zusammen mit ihrer Freundin an der Meflasim-Kreuzung ermordet als sie aus dem Nova Festival flohen. Sie wurde erschossen und in ihrem auf dem Kopf umgestellten Fahrzeug aufgefunden. Nave sagte dem Reporter, dass er seiner Mutter sehr gerne die Macht von Superman geben würde, damit sie überleben hätte können. Der Vater ist unfähig die Kinder großzuziehen, deshalb ziehen die Großeltern Nave mit seiner jungen Schwester, Riff, groß. Nave‘s Großmutter erklärt, dass Nave nicht nur seine Mutter, sondern in einer Art und Weise auch seine Großmutter verloren hat. Denn „früher habe ich hauptsächlich Spaß mit ihm gemacht. Heute, wo ich Vollzeit zwei Kinder großziehe, habe ich fast keine Zeit mehr mit ihm etwas zu unternehmen.“ Die Großeltern selbst, die schon über  60 Jahre alt sind, lassen sich trotz des Schmerzes nicht fallen. Gebrochen zu sein ist keine Möglichkeit.

    Zwei kleinere Kinder als Nave sind noch in der Gefangenschaft. Ariel und Kfir Bibas sind die jüngsten Kinder der Welt, die gefangen genommen wurden und ihr Schicksal vom 7. Oktober bis heute ist unbekannt.

    Außer ihnen gibt es noch fünf weitere Geschwister in Gefangenschaft, die Zwillinge Ziv und Gali Berman. Yair und Eitan Horn. Arbel und Dolev Yehud, Bruder und Schwester, er wurde in der Gefangenschaft ermordet und sie lebt eventuell noch.

    Ariel und David Cunio,  Eli Sharabi und sein Bruder, Yossi, der in der Gefangenschaft ermordet wurde. Auch die zwei Töchter von Yossi wurden am 7. Oktober ermordet. Die Oma, in ihrer Dunkelheit, wartet seitdem auf ihre beiden Söhne. Alle wurden aus ihrem Haus entführt und ihr Schicksal ist unbekannt. So  viele Familien in den Kibbuzim verschwanden  an dem Tag des 7. Oktober wie vom  Erdboden.

    Auf dem Festival in Re’im wurden acht Geschwisterpaare

    ermordet, darunter Roya und Norelle Manzuri, in ihren Zwanzigern. Yuval und Noam Rabia, in ihren Dreißigern. Aviad und der achtzehnjährige Gideon Rivlin, die auf dem Festival arbeiteten. Alle gingen tanzen, wie Mia und Itay Regev, die entlassen wurden und zu uns zurückkehrten. Obwohl die meisten der Entführten nicht mehr am Leben sind, fällt es  ihren Familien schwer,  richtig zu trauern, ohne dass ihr Sohn oder ihre Tochter nach Hause zurückgebracht werden.

    Vor zwei Tagen wurde der Bericht des Gesundheitsministeriums veröffentlicht, der an die UN weitergeleitet wird. Der Bericht beschreibt die Schrecken, die die Entführten in der Gefangenschaft erlitten haben, andere wurden an ihren Genitalien ausgepeitscht und erlitten dort Verbrennungen. Die Vergewaltigung der Mädchen, der Jungen zu Lebzeiten oder nach ihrer Ermordung beschreibt die Krankheit, die sich hinter den Parolen und dem quasi Besatzungskrieg verbirgt. Es ist wie ein Virus mit einer zerstörerischen genetischen Ladung, der sich von körpereigenen Proteinen ernährt, um diese zu zerstören. 

    Und er wartet nicht nur auf die Leiche des jüdischen Jungen oder der jüdischen Frau. Vielmehr ist es die Grundlage des Glaubens zwischen Erlaubtem und Verbotenem, als Bedürfnis, als Ziel. Und es ist erlaubt. Und es infiziert die Zellen ohne Zögern, Nachdenken oder Widerstand und breitet sich ständig konzeptionell und physisch in der Welt aus.

    Nach langem Überlegen kehrten wir dieses Wochenende nach Haifa zurück. Wir kehrten nach Hause zurück. Ich möchte glauben, dass alle nach Hause zurückkehren werden. Und vielleicht beschließen wir, wieder zu ziehen, aber aus Wahl und richtiger Entscheidung, nicht auf der Flucht. Aber wir sind hier, um zu bleiben. Nicht nur wir, sondern wir alle. Das Jüdische Volk!

  • Gedanken von Zeev

    Die Konferenz der Großmächte

    Wenn ich nur der Präsident der Vereinigten Staaten wäre, würde ich die sieben Führer der nuklearen Großmächtezu einer internationalen Konferenz einladen.

    Das Ziel wäre, ein gemeinsames Überwachungs- und Durchsetzungszentrum zur Bekämpfung von globaler Kriminalität und Gewalt zu schaffen.

    Ein demokratisches Regime würde die dunklen Diktaturen ersetzen. Eine neue Weltordnung würde eingeführt, die auf humanistischem Regieren basiert – für die Bürger und zu ihrem Wohl.

    Eine Herrschaft, gegründet auf individueller Freiheit, Religionsfreiheit, und der Freiheit, sich zu bewegen und zu handeln.

    Jeder erwachsene Mensch auf diesem Globus, unabhängig von seinem Herkunftsort, dürfte frei zwischen den Staaten reisen, gemäß seinem eigenen Willen. Er könnte selbst entscheiden, wo er leben möchte, wirtschaftliche Unabhängigkeit beweisen und sich verpflichten, Gesetz und Ordnung zu achten, ohne auf öffentliche finanzielle Unterstützung angewiesen zu sein. Den Führern faschistischer Regierungen, korrupten Diktatoren und Regierungen, die Terroristen unterstützen würden 24 Stunden gegeben, um freiwillig zurückzutreten – oder für alle Ewigkeit ins Gefängnis zu gehen.

    Keine Kriege mehr zwischen Völkern, kein Blutvergießen mehr. Die Prophezeiung des Propheten Jesaja würde sich in den letzten Tagen erfüllen:

    „Der Wolf wird mit dem Lamm wohnen, und der Leopard wird beim Böckchen liegen.“

    Das Ende der Kriege wird kommen. Ein Zustand von Ruhe und Frieden wird herrschen.

    „Sie werden weder Böses tun noch zerstören. Weltfrieden wird einkehren. Meinungsverschiedenheiten zwischen Nationen und Menschen werden gemildert.

    Ein starker Wille wird die Legende überwinden, und ein sehnsüchtiger Traum wird Wirklichkeit. …Wenn ich nur Präsident des Staates wäre. Doch ich bin es nicht, ich bin nur ein einfacher Mensch – ein Träumer.

    Zeev Dibo Mizrab Dezember 2024

  • EDITORIAL

    In Giusepppe Verdis Oper Nabucco (1842 in der Mailänder Scala uraufgeführt) ist der Chor der in der babylonischen Gefangenschaft als Sklaven lebenden Hebräer „Flieg Gedanke, auf goldenen Schwingen“, eines der bekanntesten Musikstücke und in Italien fast zur Nationalhymne avanciert. 

    Wir haben diesen Chor auch in unserer ersten Folge in den Mittelpunkt gestellt. Nun hören Sie den jüdischen Hohen Priester, Zaccarias als Antwort an seine Landsleute mit der Prophezeiung, dass die babylonische Knechtschaft beendet, Babylon fallen und Gott sein Volk retten wird.

    Wir werden unsere Website in dieser Form  heute am 31.12. 2024 schließen und danken Yuli für Ihr Engagement,  mit dem sie uns tapfer aber beherrscht durch das Grauen dieses Jahres geführt hat. Sie hat uns, die wir noch in Sicherheit in Europa leben,  gezeigt, wie vulnerabel das Leben ist. 

    Nie hätten wir uns vorstellen können, dass es in Deutschland, in Europa, in der Welt einen solchen militanten Judenhass gibt.

    Donald Trump:„Das Wunder von Chanukka ist das Wunder Israels. Die Generationen Abrahams, Isaaks und Jakobs erlebten unvorstellbares Leid und Unterdrückung, aber keine Macht konnte ihren Geist brechen und kein Böses konnte ihren Glauben auslöschen. Deshalb leuchten die Juden als Licht für alle Nationen.“

     Quelle: Communities Plus https://chat.whatsapp.com/KXFtNFPf14aK1m9b4dlQtj

    Wir sind eine Gruppe von im 2. Weltkrieg oder unmittelbar danach Geborener, wir tragen die Scham und den Schmerz über das, was unseren jüdischen Mitbürgern in den Jahren 1933-1945 geschehen ist,  tief in uns. Es hat unsere Leben geprägt. Wir haben gesehen, wie verquickt und tief verbunden die jüdische Religion mit dem Christentum, die abendländische Kultur mit der jüdischen Kultur ist. Wird die eine verletzt, verkümmert auch der andere Strang dieser Doppelhelix.

    Durch die Mitarbeit und das Interesse spanischer Freunde ist es uns möglich, nachgebesserte Google-Übersetzungen der Beiträge auch auf spanisch unter „Diario de Yuli desde Haifa“ zu veröffentlichen. Dies wird weiter aktualisiert werden.

    Einen besonderen Raum wird hier einnehmen die Gruppe der XUETES – zwangsgetaufte Juden, die trotz jahrhundertelanger Verfolgung auf Mallorca überlebt haben.

    Mein Dank gilt dem ganzen Kollektiv und der Unterstützung in diesem Jahr und aber auch besonders unseren Followern, unseren Lesern, die uns abonniert haben und uns auch weiterleiten. 

    Man kann uns kostenlos abonnieren wir nehmen damit kein Geld ein. 

    Ihre Dr. Alice Christiane Meine